• Office-PC: welche Komponenten benötigt ein klassischer Büro-Rechner wirklich, wir geben Anregungen

    In den beiden voran gegangenen Ratgebern hatten wir uns mit Desktop-Gaming-Systemen etwas intensiver auseinander gesetzt und die richtige Wahl der Bauteile erläutert. In diesem Ratgeber soll es nun um einen etwas weniger anspruchsvollen Office-PC für die einfacheren Aufgaben gehen und worauf man bei der Zusammenstellung dieses ein Auge haben sollte beziehungsweise worauf es besonders ankommt.





    Vorab sei an dieser Stelle fest gehalten, dass es nur eine Beispielempfehlung sein kann, denn es lässt sich IMMER irgendetwas modifizieren und den eigenen Bedürfnissen bzw. nach den vorhandenen finanziellen Mitteln genauer ausrichten. Die Beispiele sind nur Musterlösungen und sollen aufzeigen, wie viel man zum aktuellen Zeitpunkt für welches Office-System einplanen sollte. Sicherlich wird es hier und dort auch Abweichungen aufgrund des persönlichen Geschmacks geben.

    Laut neuester Statistiken ist das Betriebssystem Windows XP immer noch verbreitet in den Büro-Etagen etlicher Firmen an zu treffen, das bedeutet aber im Rückschluss, dass die Technik, die dahinter steht, nun auch schon 10 Jahre und älter ist und durch etwas aktuelleres ausgetauscht werden könnte. Dieses ist nicht zu weit her geholt, denn die Entwicklung im PC-Bereich hat die letzten Jahre was Effizienz und Leistung angeht riesige Schritte gemacht. Wichtig bei einem Office-PC ist ein flottes Arbeitstempo, nicht nur bei Programmen wie Word, Excel sowie Mail-Software sondern vielleicht als Erweiterung auch noch Photoshop und CAD für anspruchsvollere Aufgaben. Wenn diese Systeme einen ganzen Arbeitstag laufen und man mit so einem Rechner über längere Zeit arbeiten muss, sollte auch eine gute Energiebilanz, eine geringe Wärmeentwicklung und in diesem Zusammenhang ebenfalls eine geringe Lautstärke, einen hohen Stellenwert einnehmen. Auch der Platzbedarf sollte nicht komplett außer acht gelassen werden, denn nicht jedes Büro oder jeder Arbeitsplatz bietet genügend (Frei)Raum für größere Tower-Gehäuse. Gut zusammengestellte Office-Systeme lassen sich heute schon in sehr kleinen Mini-Gehäusen (ITX- und NUC-Formfaktor) realisieren.


    Beim Herzstück, der CPU, reicht heutzutage für alle klassischen Aufgaben ein sparsamer Dual-Core-Prozessor völlig aus. Das kann im unteren Preis-Segment ein Intel Celeron oder Pentium sein oder aber etwas kostspieliger ein Intel Core i3. Aus dem AMD-Regal wären ein Athlon II X2/X3 als preisgünstige Prozessoren geeignet oder auch die neuere APU-Generation (A4- bzw. A6-Serie) mit integrierter Grafikeinheit absolut ausreichend. Für alle, die etwas mehr Leistung benötigen, empfiehlt sich ein Xeon-Prozessor der E3-Generation, die es ebenfalls mit integrierter Grafikeinheit gibt.


    Das Preis/Leistungsverhältnis der vorgeschlagenen CPUs ist für die angedachten Aufgaben gut, so das auch der Kostenfaktor bei unseren Vorschlägen nicht ungeachtet bleibt. Die Verlustleistung/Abwärme fällt verhältnismäßig gering aus, um auch die optionale CPU-Kühlung nicht übergroß ausführen zu müssen. Damit sind wir auch schon beim CPU-Kühler, der in den Boxed-Versionen beider Prozessor-Hersteller (Intel bzw. AMD) zwar schon mitgeliefert wird, dieser aber zumeist nur unzureichend leise die Kühlung ermöglicht. In den letzten Jahren hielt sich der Leistungszugewinn bei CPU-Kühlern aus dem Zubehör-Markt in Grenzen, da die technischen Möglichkeiten weitgehend ausgeschöpft sind. Luft-Kühler sind zu akzeptablen Produktionskosten/Entwicklungsarbeit und im Umkehrschluss zu passablen Endkundenpreisen kaum noch besser zu gestalten. Beispiele für eine passende und vor allem leise Prozessor-Kühlung sind hier immer noch diverse Produkte von Herstellern wie Thermalright, Scythe, Noctua oder EKL aber auch etliche andere Firmen haben den Markt betreten und bieten ähnlich gute Modelle in ihren Sortimenten, mit denen sich durchaus eine semi-passive Kühlung eines Office-Systems realisieren lässt.


    Wer sich einen Prozessor ohne, oder vielleicht mit schwacher implementierter Grafik zulegt, der ist mit einer zusätzlichen dedizierten Grafikeinheit ganz gut beraten. Hier lohnt sich ein Blick auf passiv gekühlte Varianten, da die aktiven Pendants in den unteren Preisregionen den Referenzkühler mitbringen und dieser zumeist sehr laut die Arbeit verrichtet. Passive Grafiklösungen gibt es von NVIDIA als auch AMD um die 100,- €, womit sich der Vorteil ergibt evtl. doch mal ein kleineres Spiel zu spielen oder eine solide Multi-Monitor-Plattform unkompliziert betreiben zu können.


    Bei den Mainboards hat man im wahrsten Sinne die Qual der Wahl. Abgesehen von den verschiedensten Chipsätzen bei AMD und Intel, kommen diverse Hersteller und dazu noch verschiedene Formfaktoren bzw. Abmaße in Betracht. Ausgehend vom Prozessor sind die verwendbaren Sockel bei AMD der ältere AM3(+)-Sockel für die Athlon X2/X3 Serien, sowie die FM2-Aufnahme für die APU-Baureihen (A4 bzw. A6) möglich. Hierbei reicht ein einfacher Chipsatz wie der AMD-760G-Chip völlig aus, da keine Overclocking-Features oder erweiterte Funktionen für den Office-Einsatz gebraucht werden. Bei Intel betrifft es aktuell die Sockel 1155 und 1150, womit sich problemlos die Pentium, Celeron bzw. Core-i3-Prozessoren betreiben lassen. Mit einem B75/85 oder H77/87 Chipsatz ist man günstig und zuverlässig bedient.


    Obwohl in den letzten Wochen die Preise von DDR3-Arbeitsspeicher (RAM) wieder gestiegen sind und sich aktuell auf einem sehr hohen Preisniveau eingependelt haben, kann auch der Office-PC durchaus mit vier bzw. acht Gigabyte ausgestattet werden, was dann Programmen wie Photoshop oder AutoCAD einen erheblichen Leistungsschub beschert. Wichtig ist dabei zu wissen, dass man immer zwei Speicher-Module (Dual-Channel-Kit) anschaffen sollte, damit auch die schnellere Funktion der Plattform voll ausgenutzt werden kann.


    Bei der Bestückung des Büro-Rechners mit einer Festplatte empfiehlt es sich nach Möglichkeit eine duale Lösung aus einer SSD und einer HDD an zu streben. Die SSD beschleunigt den Start des Betriebssystems sowie der zur Arbeit benötigten Programme ungemein, wobei die HDD ausschließlich als großes Areal zur Datenspeicherung zuständig ist. Achten sollte man bei der Wahl der Festplatten auf Zuverlässigkeit, Energieverbrauch sowie Geräuschemission. Empfehlung unsererseits wäre beim Office-Rechenknecht eine 128 bis 256 Gigabyte großes Flashspeicher-Laufwerk (SSD) für Windows sowie die zu verwendende weitere Software und als Massenspeicher für die übrigen Daten eine zwei Terrabyte große HDD mit einer maximalen Umdrehungsgeschwindigkeit von 5400 U/min. Die Wahl der relativ großen Speicherkapazität erklärt sich dadurch, dass momentan das Preis/Leistungsverhältnis der 2 und sogar 3 Terrabyte-Festplatten am Besten ist. Für Nutzer, die wenig oder gar nicht mit großen Daten in Berührung kommen und auch nicht mit mehreren Programmen arbeiten, reicht es hingegen, die Wahl des Festspeicher-Laufwerks nur auf eine vllt. sogar mit einer höheren Kapazität ausgestatteten SSD zu beschränken.



    Bild 1 von 9
    Bild 2 von 9http://www.teccentral.de/artikel-attachments/22978-intel-xeon-e3-1226-v3a.jpg
    Bild 3 von 9http://www.teccentral.de/artikel-attachments/22977-intel-xeon-e3-1226-v3.jpg
    Bild 4 von 9http://www.teccentral.de/artikel-attachments/22980-scythe-big-shuriken-2-rev.b.jpg
    Bild 5 von 9http://www.teccentral.de/artikel-attachments/22979-msi-h81m-e33.jpg
    Bild 6 von 9http://www.teccentral.de/artikel-attachments/19044-792469_0__8426923.jpg
    Bild 7 von 9http://www.teccentral.de/artikel-attachments/22976-crucial-mx100.jpg
    Bild 8 von 9http://www.teccentral.de/artikel-attachments/22981-wd-green.jpg
    Bild 9 von 9http://www.teccentral.de/artikel-attachments/22975-be-quiet-stright-power-400w.jpg


    Da es bei den optischen Laufwerken fast keine Leistungs- sowie Preis-Differenzen mehr gibt, sollte man sofern es überhaupt noch benötigt wird, lieber zu namhaften Herstellern wie Sony, Plextor, Samsung oder LG greifen. Zu Zeiten von günstigen USB-Sticks mit hohem Fassungsvermögen oder anderweitigen transportablen externen Speichermöglichkeiten, kann bei internen optischen Lösungen der Rotstift angesetzt werden und somit ein deutlich platzsparenderes Office-System umgesetzt werden.


    Beim Netzteil reicht für die meisten leistungsärmeren Office-Konfiguration ein gutes Exemplar mit einer Ausgangsleistung von 300 Watt im ATX-Formfaktor, welche von Herstellern wie Enermax, Be Quiet, Silverstone oder Seasonic angeboten werden. Bei kleiner ausgelegten Büro-PCs bieten sich auch SFX-Stromspender an, welche sogar mit noch geringerer Ausgangsleistung zu bekommen sind. Wichtig bei der Wahl des passenden Spannungswandlers ist eine möglichst hohe Effizienz (80+ Zertifikat) sowie eine gute Ausstattung mit Schutzschaltungen, um zuverlässig über einen längeren Zeitraum den Dienst verrichten zu können und die weitere Hardware bei einem Defekt zu schützen. Von No-Name Geräten aus günstigen Produktionen und mit minderwertigen Bauteilen bestückt raten wir auch an dieser Stelle ab, denn diese Billig-Netzteile sind meist zu schlecht abgesichert und können bei Überhitzung, Überlast oder etwa Spannungsspitzen die weitere Hardware mit beschädigen, inklusive wichtiger Daten die unter Umständen verloren gehen! Zudem weisen diese durch die schlechtere Bauteilqualität insgesamt auch eine weitaus geringere Lebensdauer auf.


    Die Gehäuse-Wahl muss jeder nach seinem Geschmack, dem Budget sowie dem vorhandenen Platzangebot treffen, wichtig ist hier nur, dass man auf den Formfaktor achtet, so das Motherboard wie auch alle Laufwerke eingebaut werden können. Ein ATX-Mainboard passt nicht in ein micro-ATX- oder mini-ITX-Gehäuse, umgekehrt lassen sich in der Regel aber in ein ATX-Gehäuse die kleineren Hauptplatinen montieren. Außerdem ist es sinnvoll, ein Gehäuse mit schnellen USB 3.0 Anschlüssen aus zu suchen, damit es beim Transfer von Daten an dieser Stelle möglichst nicht zum berühmten Flaschenhals-Phänomen kommt.


    Wenn man über eine passive Grafikkarte im Zusammenspiel mit semi-passiver CPU-Kühlung nachdenkt, dann ist es für ungünstige Aufstellorte in Verbindung mit sommerlichen Außentemperaturen empfehlenswert, mindestens ein bis zwei große und langsam drehende Lüfter im Gehäuse zu platzieren, sofern dieses Optionen dafür bietet. Wenn ein 120- oder 140-Millimeter-Lüfter mit 500 - 800 U/min seinen Dienst verrichtet, reicht der Luftdurchsatz meistens für die wenige Abwärme des Office-Rechners aus und der leise Betrieb ist trotz allem sicher gestellt.



    Anbei eine kleine Beispielkonfiguration für einen Photoshop-2D-Cad-Office-PC:



    CPU: Intel Xeon E3-1226 v3, 4x 3,30 GHz, Sockel 1150, boxed ca. 203,- €

    CPU-Kühler: Scythe Big Shuriken 2 Rev.B ca. 30,- €

    Mainboard: MSI H81M-E33 Intel H81 So.1150 Dual Channel DDR3 mATX Retail ca. 40,- €

    RAM: 8GB Crucial Ballistix Sport DDR3-1600 DIMM CL9 Dual Kit ca. 63,- €

    SSD: 128GB Crucial MX100 2,5" 6Gb/s MLC ca. 59,- €

    HDD: 2 TB WD Green 64MB Cache Intellipower ca. 70,- €

    Netzteil: 400 Watt be quiet! Straight Power E9 Non-Modular 80+ Gold ca. 54,- €

    Gehäuse: Antec New Solution NSK4100 Midi Tower ca. 35,- €


    Gesamt: ca. 554,00 €


    Anmerkung:

    Sicherlich bekommt man auch für die Hälfte der von uns veranschlagten Summe einen durchaus tauglichen "Office-PC". Der Unterschied zu dieser Beispielrechnung, besteht aus zwei Festplatten, separatem Silent-CPU-Kühler und qualitativ hochwertigerem Netzteil, was von den "Billiggeräten" nicht behauptet werden kann. Der Gesamtpreis bezieht sich auch auf die aktuellen Marktpreise, welche in ein paar Tagen schon wieder anders aussehen können, wobei die Beispielrechnung auch nur als Orientierung dient und Anregungen geben soll.

    Viel Spaß beim zusammenstellen der individuellen Komponenten und dem finalen Office-System wünscht euer TecCentral-Team. Für gesonderte Fragen rund um PC-Konfigurationen oder auch Anregungen, steht wie immer das TecCentral-Forum zur Verfügung.

    Dieser Artikel war interessant bzw. lesenswert? Die Redaktion freut sich über jede Unterstützung wie z.B. die Nutzung unseres -Partner-Links oder unseres -Partner-Links . Du hilfst uns damit, weiterhin auf nervige Layer- sowie Popunder-Werbung zu verzichten und auch allgemein immer mehr Werbebanner abzubauen. Vielen Dank.
    Gefällt dir der Artikel

    Office-PC: welche Komponenten benötigt ein klassischer Büro-Rechner wirklich, wir geben Anregungen

    ?
    Artikel-Optionen: Kommentieren (1)
    Soziale Netzwerke:
    « Netflix: ein Drittel der Bandbreite in den USA geht auf das Konto des Streaming-PortalsWindows 10 Build 9879 verhindert Installation von Classic Shell - so klappt es trotzdem »
    Ähnliche News zum Artikel

    Office-PC: welche Komponenten benötigt ein klassischer Büro-Rechner wirklich, wir geben Anregungen

    Gaming-PC bis 1000 Euro: welche Komponenten sind für ein hochwertiges Desktop-Spiele-System sinnvoll, wir klären auf
    Im Gegensatz zu vielen Komplett-Systemen von großen Elektronikfachhändlern mit dem Vermerk Gaming-PC, weiß man von einem selbst... mehr
    Intel Skylake-S benötigt neuen LGA 1151-Sockel
    Intel hat sich in diesem Jahr bei der Entwicklung seiner leistungsstarken Desktop-Prozessoren eine kleinere Pause gegönnt. Anstatt eines... mehr
    Silverstone Grandia GD09 - Gehäuse im Hifi-Format für leistungsfähige Komponenten
    Der Gehäusehersteller Silverstone erweitert mit dem Grandia GD09 sein Portfolio an HTPC-Gehäusen, welche in der Lage sind, selbst... mehr
    Intel Bay-Trail: Android-SoCs kommen 2014 mit 64-Bit-Support, Betriebssystem benötigt noch Anpassung
    Chipentwickler Intel richtet sein Hauptaugenmerk weiter in den Markt für Mobile-Prozessoren und will dort mit der neuen Atom-Generation der... mehr
    Scythe Grand Kama Cross 2: Neuauflage des Top-Blow-Kühlers der Prozessor und umliegende Komponenten kühlt
    Scythe, namhafter Hersteller von CPU-Kühllösungen hat schon mehrfach bewiesen, dass seine CPU-Kühler wie der Mugen oder Katana mit zu den... mehr

    Office-PC: welche Komponenten benötigt ein klassischer Büro-Rechner wirklich, wir geben Anregungen

    – deine Meinung ?
    Kommentare
    1. Avatar von Salpha
      Salpha -
      Sehr informativer Artikel, habe einiges auch so für meinen neuen Rechner übernommen.
      Beim Arbeitsspeicher und der Festplatte habe ich allerdings auf gebrauchte Komponenten zurückgegriffen um den Preis noch etwas zu senken. Insgesamt läuft das System sehr flüssig und zufriedenstellend, danke also von hier ;)
    Kommentar schreiben (auch als Gast möglich)

    z.B. "Gast" oder "Mike"

    Der wievielte Monat ist der Mai? (als Wort)


Trete der Nintendo Community bei und besuche das Nintendo Switch Forum.